Eduard Weber

Der erste Schüler unserer Schule, der später Handelslehrer wurde

Eduard Weber, geboren am 11. Februar 1884 in Braunschweig, stammte väterlicherseits aus einer Handwerkerfamilie. Mit 14 Jahren begann er nach kurzer Tätigkeit in einem Lotteriegeschäft eine dreijährige Lehre bei der Braunschweiger Zigarrengroßhandlung Rudo & Co., wo er im Anschluss noch ein weiteres Jahr als Buchhalter und Korrespondent tätig war.

Während seiner Lehrzeit von 1899 bis 1902 war Weber Schüler unserer Berufsschule, die damals „Kaufmännische Fortbildungsschule“ hieß, und tat sich durch besonders gute Leistungen hervor.

An Sonntagen besuchte er freiwillig das kaufmännische Lehrlingsheim in Braunschweig. Dort wurde er alljährlich wegen seines großen Einsatzes als Obmann mit einer Buchprämie ausgezeichnet. Heimleiter Sanders schrieb: „Ausgestattet mit den schönsten Gaben des Geistes, war er über seine Jahre hinaus gereift.“

Von 1903 bis 1904 besuchte Weber als Klassenbester die Höhere Handelsschule an der Öffentlichen Handelslehranstalt Leipzig. Seit Bestehen der Handelslehranstalt war er der erste, dem wegen seiner herausragenden Berufsschulzeugnisse der Besuch der Unterstufe sowie das halbe Schulgeld erlassen wurden.

Anschließend studierte Weber von 1904 bis 1906 vier Semester an der Leipziger Handelshochschule. Er belegte Vorlesungen wie z. B. „Deutsche Kolonialpolitik“, „Spezielle Volkswirtschaftslehre“, „Wirtschaftskrisen“, „Italienische Sprache", „Praktikum des Handels-, Wechsel- und Seerechts“ und „Musterkontor“. 1906 legte er die kaufmännische Diplomprüfung mit der Note „sehr gut“ ab.

Da seine fachlichen Leistungen „vorzüglich“ und Betragen, Fleiß und Aufmerksamkeit stets „lobenswert“ waren, wurde Weber durchgängig von verschiedenen Stiftungen finanziell unterstützt.

Weber unterrichtete von 1906 bis 1908 an seiner alten Schule in Braunschweig, der Kaufmännischen Fortbildungsschule. Er erteilte alle Fächer der Unter- und Mittelstufe, u. a. Kaufmännisches Rechnen, Schönschreiben und Allgemeine Handelslehre, sowie an der Höheren Handelsschule für Damen Wirtschaftsgeographie und Warenkunde. Die Handelskammer Braunschweig, Trägerin der Schule, schrieb dazu: „Wir erteilen Herrn Weber gerne das Zeugnis […], dass er es insbesondere auch verstanden hat, bei den Schülern Interesse zu wecken.“

Daneben studierte er weiterhin in Leipzig, veröffentlichte Fachaufsätze, rezensierte Fach- und Lehrbücher und redigierte die „Zeitschrift für das gesamte kaufmännische Unterrichtswesen“.

1908 legte er zusätzlich die Handelslehramtsprüfung ab und war bis zu seiner Einberufung in den Militärdienst mit großem Erfolg Handelslehrer sowohl in Hagen als auch in Leipzig.

Weber heiratete 1913 Klara Koch; zwei Jahre später wurde der Sohn Franz-Eduard geboren. 1914 erschien Webers einziges Buch, die „Literaturgeschichte der Handelsbetriebslehre“.

Als Vizefeldwebel musste Weber Ende 1915 an die französische Front. Mit nur 32 Jahren erlag er am 16. Februar 1916 in einem Lazarett in Baccarat/Elsass seinen schweren Verletzungen. Er ruht auf einem Soldatenfriedhof in Reillon/Elsass.

Eduard Webers bildungsgeschichtliche, wirtschaftspädagogische und handelswissenschaftliche Veröffentlichungen werden bis heute in Veröffentlichungen zitiert. Sein beruflicher Werdegang ist Vorbild für alle Lernenden und Lehrenden in der kaufmännischen Bildung. Zu seinen Ehren wurde an seinem 125. Geburtstag im Jahr 2009 der Eduard-Weber-Fonds zur finanziellen Unterstützung begabter Schülerinnen und Schüler unserer Schule ins Leben gerufen. Aus diesem Anlass verfasste Friedrich Walz, ehemaliger Lehrer unserer Schule, auch eine Denkschrift.